HARALD WEILER REGISSEUR

Der Wind macht das Fähnchen

von Philipp Löhle

Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus
Premiere: 05.07.2012
Regie: Harald Weiler
Ausstattung: Lars Peter
Besetzung
  • Konstantin Graudus (Vater)
  • Meike Harten (Mutter)
  • Philipp Weggler (Sohn)
  • Rabea Lübbe (Tochter)

Hamburger Abendblatt, 07.07.2012

Kapitalismuskritik wie bei Brecht, nur lustiger

Harald Weiler inszeniert Löhles sarkastisch doppelbödiges Einfamilienstück im Theater Kontraste der Winterhuder Komödie um einem Riesentisch herum. (….) Eine große Familie. Die Tafel dient zugleich als Bühne für rasche Spielortwechsel und Symbol für Nauru. Papa Holger träumt von dieser Pazifikinsel "der Seligen" in Harmonie und Reichtum.

Autor Löhle kennt keine Gnade. Er demonstriert in drei Kreisen - oder Krisen - die Abhängigkeit der kleinsten Gemeinschaft in der Gesellschaft von deren ökonomischer Situation. (……) Klingt ein bisschen nach einem Lehrstück von Bertolt Brecht, nur verpackt Löhle flotter, illusionsloser und lustiger seine Kritik am unberechenbaren Auf und Ab im Neokapitalismus. Und die Schauspieler haben ihren Spaß daran und kommen in Weilers Regie voll auf ihre Kosten. Er choreografiert präzise um den Tisch einen Tanz nach dem Glück, macht das Riesenmöbel auch zum Kampfplatz, an dem sich die gegnerischen Parteien Mann-Frau, Kinder-Eltern verschanzen. (...) dem Theater Kontraste ein neues amüsantes Glanzstück gelungen, das von Spiel, Regie und Text alle Erwartungen an intelligente moderne Unterhaltung mit bissiger Zeitkritik erfüllt.

Welt Online, 07.07.2012

Tragik oder eine wahre Komödie?

Es ist die Komödie über eine ganz normale Familie, Vater, Mutter, zwei Kinder, die allmählich ins soziale Abseits gerät, weil der Vater, ein prinzipientreuer Starrkopf, seine Familie "freiwillig ins Aus katapultiert", wie die Mutter sagt. Er wird mehrfach arbeitslos. Das ist, bei aller Tragik, sehr komisch. Oder ist es gar am Ende doch eine wahre Tragödie, weil hier alles konsequent den Bach runtergeht? Was auch immer, es wurde viel gelacht in der fabelhaft pointierenden, wie in Momentaufnahmen aufgezeichneten Inszenierung von Harald Weiler.

(...) Eine Stunde lang ist es denn auch das reine Vergnügen, hier zuzuschauen, den trockenen Wortwitz, die scharfen, farcehaften überzeichnungen lustvoll zu goutieren.